Anderthalb Jahre Schulwald – Gymnasium Diepholz
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Beteiligte
Anderthalb Jahre Schulwald

Ist es tatsächlich erst knapp anderthalb Jahre her, dass in einer groß angelegten Pflanzaktion nahezu die gesamte GFS-Schulgemeinschaft und der Jahrgang 5 der Realschule fast 5.000 Setzlinge in einen matschigen Maisacker in Falkenhardt gepflanzt haben?

Man weiß nicht so recht, wo man mit dem Erzählen beginnen soll, so viel ist in diesem kurzen Zeitraum geschehen, und wenn man heute über das gut 2 ha große Gelände geht, kommt man aus dem Staunen nicht heraus.
Beginnen wir beim „Herzstück“ der Anlage, dem zukünftigen Wald. Dem weitaus größten Teil der Setzlinge scheint der neue Standort ausgesprochen gut zu gefallen; denn sie gedeihen prächtig und überragen den ursprünglichen „Schilderwald“ mittlerweile schon an vielen Stellen. Deutlich sind vielerorts die Pflanzkreise zu erkennen, in denen die Schüler seinerzeit die Spaten ansetzten. Franz Hüsing, Direktor der Stiftung Zukunft Wald und unermüdliche „Dampflok“ des Großprojekts „Schulwälder gegen den Klimawandel“, war im Laufe des Jahres mehrfach in Diepholz, um sich zu vergewissern, dass es seinen Zöglingen gut geht … und konnte zufrieden zu einem der anderen derzeit 45 Schulwälder weiterfahren. Auch Gert Habermann, der die Pflanzaktion im März/April 2016 begleitet und im Juni 2017 anlässlich der Ausstellung „Faszination Ameisen“ erneut drei Wochen in Diepholz verbracht hat, zeigte sich sehr zufrieden mit den den jungen Bäumen.

Eine gute Entwicklung von Setzlingen beobachten die beiden Experten auch in anderen von ihnen betreuten Schulwäldern. Was den Schulwald in Diepholz aber zu etwas Einmaligem macht, ist das „Drumherum“; denn eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen haben den ehemaligen Maisacker mittlerweile zu einem Kleinod werden lassen.

Der neue Huntearm
Im August 2016 begannen Baggerarbeiten an der Hunte; finanziert wurden sie von der Flächenagentur im Städtequartett Damme, Diepholz, Lohne und Vechta. Von verschiedenen Vorschlägen hatte man sich schließlich für eine Version entschieden, in der ein neuer „Flussarm“ nach Norden hin direkt, nach Süden hin unterirdisch mit der Hunte verbunden ist. In dem so entstandenen Flachwasserbereich ist die Zirkulation gesichert, der Wasserstand korrespondiert mit dem des Flusses. Es handelt sich also nicht um die Renaturierung eines ursprünglichen Huntearms, aber der einst in einen geraden Verlauf gezwungene Fluss hat hier in Anlehnung an sein früheres Bild wieder mehr Spielraum erhalten.
Die Idee, an der Hunte einen Steg für Kanufahrer anzulegen, um u.a. vom Schulzentrum zum Schulwald zu paddeln, wurde noch nicht verwirklicht, da zu überlegen ist, ob besser eine andere Stelle am Ufer benutzt werden kann als die Flachwasserzone im neu geschaffenen Huntearm, die bereits jetzt für Vögel und Amphibien einen wertvollen Rückzugsraum bildet.

Das Kiesbett für Austernfischer und die Nisthilfe für Eisvögel
Am neu gestalteten Huntearm wurden im Frühjahr und Sommer unter den ständigen Gästen mehrere Austernfischer gesichtet. Die schwarz-weißen Gesellen mit dem langen roten Schnabel sind eigentlich an der Nordsee zuhause, sind aber auch am Dümmer zu finden. Als Bodenbrüter, die für ihr Nest ungestörte Flächen an Sand oder Kies brauchen, fällt es ihnen nicht leicht, in unserer Gegend geeignete Stellen zu finden. Auf Anregung von Heiner Tiedemann ist im April 2017 eine Nistmöglichkeit für sie hinzugekommen: Am Ufer der Hunte ließ die Flächenagentur speziell für die Austernfischer ein großes Kiesbett aufschütten.
Heiner Tiedemann brachte am Hunteufer ebenfalls zwei Ansitze für Eisvögel an. Geplant ist, eine Nisthilfe für diesen selten gewordenen und daher streng geschützten Vogel zu bauen, der wegen seines schönen Gefieders und seiner Schnelligkeit auch „der fliegende Diamant“ genannt wird.

Die naturnahe Wiese
Entgegen der ursprünglichen Planungen, die eine Bepflanzung des gesamten Geländes vorsahen, entschied man sich, den Bereich zwischen dem zuerst gepflanzten „Wald“-Bereich und dem neu geschaffenenen Flussarm als naturnahe Wildwiese zu belassen. Wer heute durch das Gras streift, trifft auf viele Wiesenblumen wie z.B. Klatschmohn, Kornblume, Kamille, Lichtnelke, Hahnenfuß, Mädesüß, Schafgabe, Wicke und sogar die stark vom Aussterben bedrohte Kornrade. Alle Arten von Libellen und Schmetterlingen schwirren in großer Zahl umher, Frösche hüpfen vor nahenden Stiefeln beiseite, Hasen springen plötzlich auf und laufen geschwind davon, wenn man ihrem Versteck zu nahe kommt. Nur ein Jahr hat es gedauert, bis die Regnerationskraft von Mutter Natur hier wieder ihre Wirkung gezeigt hat. Weiter so!

Der Obstbäumesaum
60 Obstbäume, die den „Waldrand“ zur Wiese bzw. zum Fluss hin säumen – seit April 2017 ist diese Idee von Heiner Tiedemann umgesetzt. Dabei handelt es sich um Apfel-, Birn-, Kirsch- und Pflaumenbäume, allesamt alte Sorten, allesamt bereits ca. 2 m hoch … und allesamt angewachsen. Die ersten Bäume tragen bereits Früchte. Natürlich freuen wir uns, wenn wir das erste Obst ernten können, aber zunächst freuen wir uns auf die Obstbaumblüte im nächsten Frühjahr. Diese wird übrigens von der B69 aus zu sehen sein, da ein ebenfalls neu aufgeschütteter Wall zur Straße hin an dieser Stelle dem Blick freie Bahn gewährt. Die Kosten für die Obstbäume übernahm ebenfalls die Flächenagentur.
Zwei ganz besondere Obstbäume hatten bereits im Sommer 2016 den Anfang gemacht, als es einen Wechsel an der Spitze der Realschule gab: Sie verbinden den scheidenden Schulleiter Uwe Hofmeister und seinen Nachfolger Matthias Bahr dauerhaft mit dem Schulwald.

Die Beerenbüsche
Am Wall haben wir zahlreiche Johannisbeer-, Stachelbeer- und Himbeerbüsche gepflanzt, damit wir etwas zu naschen haben, wenn wir im Sommer das Schulwaldgelände besuchen. Die Büsche haben bereits im ersten Jahr so reich getragen, dass wir mehrere Töpfe füllen konnten. Da wir wegen der frühen Sommerferien 2017 die Beeren nicht an die Schulgemeinschaft verteilen konnten, haben wir sie zunächst eingefroren, um sie dann nach den Ferien zu verteilen.

Das Storchennest
Weithin sichtbar und für viele derzeit vielleicht der interessanteste Teil des Schulwaldgeländes ist das Storchennest bzw. seine Bewohner, die es innerhalb von drei Wochen nach dem Errichten für sich entdeckten. Heiner Tiedemann hatte mit diversen Tricks dafür gesorgt, dass das Nest offenbar unwiderstehlich attraktiv war. Jedenfalls sorgt seit Ende März 2017 „unser“ Storchenpaar für Begeisterung. Sich vergewissernd, dass es noch da ist, wandern seitdem unzählige Blicke von Kindern und Jugendlichen auf dem Weg zur Schule oder Erwachsenen auf dem Weg zur Arbeit allmorgendlich von der B51 oder der B69 aus zum Storchennest. Es wird berichtet, dass manch ein PKW gar eine Extra-Runde im Kreisel dreht, um noch einmal einen Blick auf sie zu erhaschen.
Der erste Schritt hatte darin bestanden, einen A-Mast zu besorgen und ihn auf das Schulwaldgelände zu transportieren, der zweite, ihn aufzustellen. Der metallne Aufsatz wurde von einer Fachfirma nach dem Vorbild der Storchennester am Dümmer gefertigt, wohingegen das Umflechten mit Weidenzweigen wieder unsere Aufgabe war. Schüler der Schulgarten-AG benutzten dafür Weidenzweige, die sie zuvor im Schulgarten geschnitten hatten. Bei der Arbeit wuchs die Bewunderung für Störche, die ihre Nester allein mit Hilfe ihres Schnabels bauen können, beträchtlich. Finanziert wurde das Storchennest von der Bingo-Umweltstiftung.
Über die Beringung fanden wir heraus, dass einer der Störche aus Hüde stammt und zwei Jahre alt ist – noch etwas zu jung für eigenen Nachwuchs. Tatsächlich hatte man zuweilen den Eindruck, dass das Schulwaldgelände eine Art „Jugendtreff von Störchen“ war; denn zeitweise wurden bis zu vier Störche auf den umliegenden Wiesen gesichtet. Unser Pärchen blieb einander und dem Nest treu und die beiden verteidigten es auch gegen Rivalen, wofür es sogar einen Bildnachweis gibt. Die Hoffnung ist also mehr als berechtigt, dass die beiden im nächsten Jahr mit der Aufzucht von Nachwuchs beginnen.

Das Kräuterbeet
Zuweilen betrachteten „unsere“ Störche von ihrem Hochsitz aus interessiert, wenn sich um sie herum wieder einmal vermehrt menschliche Aktivität entfaltete. So schauten sie uns z.B. zu, als wir im Juni 2017 in ihrer Nähe ein Beet mit Thymian, Lavendel und Ysop anlegten. Bereits in diesem Sommer wimmelte es dort von Bienen, Hummeln, Schmetterlingen u.a. Insekten.

Das Insektenhotel
Angesichts unserer guten Erfahrungen mit unserem großen Insektenhotel im Schulgarten beantragten wir bei Bingo ein ebensolches für das Schulwaldgelände. Der Antrag wurde gemeinsam mit dem Storchennest und einem Zuschuss für ein Arboretum mit Bäumen des Jahres bewilligt. Es wird in naher Zukunft neben dem Kräuterbeet aufgestellt werden.

 

Als wichtigstem Ideengeber, kundigem Vogel-/Tier- und Pflanzenexperten und tatkräftigem Energiebündel bei diesen Projekten sei an dieser Stelle noch einmal besonders unserem Hausmeister Heiner Tiedemann für sein großes Engagement gedankt. Seine Kenntnisse über die belebte Natur und seine Bereitschaft, die Schule davon profitieren zu lassen, zeigen sich nicht nur beim Schulwaldgelände, sondern auch beim Schulgarten oder auch bei der Gestaltung der Blumenbeete rund um die GFS.

Gedankt sei Franz Hüsing und seiner Stiftung Zukunft Wald, die das Projekt erst möglich machten, der Flächenagentur im Städtequartett und der Bingo-Umweltstiftung als den wesentlichen Geldgebern für die Projekte „Drumherum“, den Anwohnern für ihre aktive Anteilnahme, der Schulgarten-AG als zuverlässigen Helfern und allen Mitgliedern der Schulgemeinschaft, die die Entwicklung des Schulwaldgeländes mit Rat,Tat, Freude und Interesse verfolgten und weiter verfolgen.
Wer mit Ideen, Kenntnissen und/oder zupackenden Händen zur Weiterentwicklung des Schulwaldgeländes beizutragen und Teil von diesem großen Projekt werden möchte, ist herzlich willkommen.

Der nächste große Schritt besteht in einer zweiten Pflanzaktion im November dieses Jahres, auf die sich die Schüler der Jahrgänge 5-7 schon jetzt freuen können.

Dieser Bericht kann nur einen kleinen Eindruck von den Entwicklungen auf dem Schulwaldgelände vermitteln, weitere Informationen und Bilder sind hier zu finden.

Maria Schmutte