Exkursion nach Kalkriese – Gymnasium Diepholz
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Wir übernehmen Verantwortung

Kalkriese
Exkursion nach Kalkriese

In diesem heißesten Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (1881) hatten wir auf der diesjährigen Exkursion des Jahrgangs 6 nach Kalkriese das große Glück, dass die Hitze eine Verschnaufpause einlegte und uns ideales Sommerwetter begleitete. Entsprechend gut gelaunt, neugierig und energiegeladen machten sich die Schüler an die Erkundung des archäologischen Parks. 

In der auf Anschaulichkeit und Aktivität ausgerichteten Führung schlüpften zwei Klassen zunächst in die Rolle römischer Soldaten und lernten u.a., wie man eine testudo (Schildkrötenformation) bildet, wie man ein pilum (Wurfspeer der Römer) wirft, wie viel Gewicht ein Legionär auf dem Marsch mit sich herumschleppen musste (ca. 40 kg), wie weit man am Tag marschierte (ca. 25 km) oder wie lange ein mit Schild, Schwert und Rüstung beladener Soldat maximal kämpfen konnte (ca. 10 min). Zwei weitere Klassen, die „als Germanen“ begannen, erfuhren zunächst etwas über den Cheruskerfürsten Arminius und seine Frau Thusnelda, über die germanischen Stämme, ihre Ausstattung und ihre Taktik in der Varusschlacht. An der rekonstruierten Wallanlage auf dem Ausgrabungsgelände begegneten sich „die Römer“ und „die Germanen“ dann in (spielerischer) Konfrontation. Anders als in der brutalen Realität vor 2000 Jahren tauschte man anschließend friedlich die Waffen und übernahm die Rolle des Gegenparts.

Bei allem Spaß, den das Rollenspiel machte, wurde doch klar, dass 9 n. Chr. auf dem Gelände alles andere als ein Kinderspiel stattfand, sondern dass man sich auf einem ehemaligen Kriegsschauplatz befand; neben einer unbekannten Zahl an Germanen wurden in der Varusschlacht ca. 20.000 Römer getötet. Wie wenige Überlebende es gab, wurde v.a. im Museum an einer Kugelsimulation deutlich.

Obwohl auf dem Gelände seit 1987 systematisch Ausgrabungen durchgeführt werden, stoßen die Archäologen auch heute immer wieder auf spannende Funde. So erfuhren wir, dass aktuell die Theorie von dem Germanenwall, vor dem die Römer unter ihrem General Varus in die letzte Falle gingen, wackelt, da kürzlich entdeckte Indizien die Frage aufwerfen, ob sich an der Hauptgrabungsstelle nicht ein Marschlager der Römer befand und es sich somit um eine Wallanlage der Römer handelt. Die neuen Funde lassen das Forscherteam aber nicht bezweifeln, dass Kalkriese der Ort der Varusschlacht 9 n. Chr. ist. Vielleicht weiß man mehr, wenn es im nächsten Jahr wieder für den Jahrgang 6 heißt: Kalkriese, wir kommen!

Text und Foto: Maria Schmutte